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+++ Erste Zahnärztin Deutschlands +++ hier lesen Sie mehr

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+++ Seit 1728 ausgestorben: der Zahnwurm +++ hier lesen Sie mehr

+++ Fürstliche Zähne – zum Fürchten! +++ hier lesen Sie mehr

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Erste Zahnärztin Deutschlands

Pionierin der deutschen Zahnmedizin

Foto: obs/dental relations

Die 1834 geborene Henriette Hirschfeld-Tiburtius war die erste Frau in Deutschland, die Zahnmedizin praktizierte, und avancierte durch ihr fachliches Können zur Hofzahnärztin von Kronprinzessin Viktoria und ihrem Ehemann, dem 99-Tage-Kaiser Friedrich III.

Henriette Hirschfeld-Tiburtius, 1834 als Henriette Pagelsen auf der Nordsee-Insel Insel Sylt geboren, war eine für ihre Zeit außergewöhnlich couragierte Frau. In einem Alter von bereits 32 Jahren, nach der Trennung von ihrem ersten Mann, entschloss sie sich dazu, das Studium der Zahnmedizin aufzunehmen, das schon Mitte des 19. Jahrhunderts Voraussetzung für die Ausübung der Zahnmedizin in Deutschland war. Da Frauen allerdings der Zugang zur Universität bis Anfang des 20. Jahrhunderts verwehrt war, reiste Henriette Hirschfeld 1867 als alleinstehende Frau nach Philadelphia, USA, und erreichte es hier mit großer Beharrlichkeit, dass sie zum Studium am Pennsylvania College of Dental Surgery zugelassen wurde. Sie war erst die zweite Frau in den USA, der dies gelang. Am 27. Februar 1869 wurde ihr nach 2-jährigem Studium im Alter von 35 Jahren der Titel Doctor of Dental Surgery verliehen.

Nach ihrem Abschluss kehrte sie nach Deutschland zurück und eröffnete in der Behrenstraße in Berlin, einer Parallelstraße der Prachtstraße Unter den Linden, ihre erste Praxis. Anfangs hatte sie es sich zum Prinzip gemacht, nur Frauen und Kinder, vor allem auch Angehörige der armen Bevölkerungsschichten, zu behandeln. Trotz der überwiegend ablehnenden Haltung der meisten Zeitgenossen gegenüber einer Frau, die den Zahnarztberuf ausübte, erwarb sie sich sehr rasch den Ruf einer exzellenten Zahnärztin, hatte bald auch Männer unter ihren Patienten und wurde zudem Hofzahnärztin von Kronprinzessin Viktoria und ihren Kindern sowie von ihrem Ehemann, dem 99-Tage-Kaiser Friedrich III von Deutschland.

1871 heiratete sie den Militärarzt a. D. Karl Tiburtius. Das Ehepaar bekam 2 Söhne. Auch nach der Geburt der Kinder gab sie ihren Beruf nicht auf und engagierte sich neben Berufstätigkeit, Ehe und Mutterschaft außerdem leidenschaftlich für die weniger Begüterten. 1876 gründete sie in einem Berliner Arbeiterviertel zusammen mit ihrer Schwägerin Franziska Tiburtius und deren Kollegin Emilie Lehmus die erste von Frauen geleitete Poliklinik; 1881 folgte die Gründung einer Pflegestation speziell für Frauen und Kinder in ihrer alten Wohnung in der Berliner Friedrichstraße.

Am 25. August 1911 verstarb Dr. Henriette Hirschfeld-Tiburtius. Zu ihrem Gedenken ist am Haus Behrenstraße 9/Berlin-Mitte, ihrem damaligem Praxisstandort, am 14. Februar 1998 eine Erinnerungstafel angebracht.


Zene-Arztney von 1533

Erste praktische Zahnheilkunde in deutscher Sprache

Bis zum 16. und 17. Jahrhundert war zahnmedizinische Literatur rar und ausschließlich als Bestandteil von chirurgischen Werken existent. Es gab nur ein Buch, das ausschließlich der Zahnheilkunde gewidmet war.

Das Besondere war, dass es in Deutsch geschrieben war und allein dadurch den vielen Barbier-Chirurgen und Zahnbrechern, die nicht Latein konnten, einen schriftlichen Leitfaden bot. Wer das kleine „Artzney Buchlein wider allerlei krankheiten und gebrechen der zeen“ um 1530 verfasst hat, ist unbekannt, derjenige gab aber durchaus wertvolle Hinweise zur Mundhygiene, da er einen Zusammenhang zwischen der Reinigung der Zähne und der Entstehung von Karies ahnte.

Überall waren es die örtlichen Bader, Barbiere und Wundärzte, die bis ins 19. Jahrhundert hinein für die zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung zuständig waren. Die drei genannten Berufsgruppen führten als heilkundige „Handwerker“ operative Eingriffe aus, sie ließen zur Ader und versorgten Wunden. Die Zene-Artzney von 1533, gedruckt vom Mainzer Drucker Peter Jordan, wendet sich sowohl an sie als die Spezialisten in der Zahnheilkunde als auch an den an Prophylaxe interessierten Laien. Jeder sollte sich frühzeitig darum kümmern, dass seine Zähne „nicht böß und stumpff“ werden, denn Zähne dienen auch der guten Aussprache und „zur zyrung“.

Eines der ersten Kapitel des kleinen Büchleins hält Ratschläge bereit, „wie den kindern zu helffen ist, daß in [ihnen] ir zene leichtlich wagsen“: Man soll die Kleinen häufig baden und danach das Zahnfleisch mit einem Finger, der zuvor in warmes Hühner-, Gänse- oder Entenfett getaucht worden ist, „subtil reiben und trucken“. Wenn die Zähne durchbrechen, so nimmt man „fein subtile“ Wolle vom Hals eines Schafes, taucht sie in warmes Kamillenöl und legt sie dann auf den Hals und die Wangen des Säuglings. Manchmal versuchte man auch, „schweres“ Zahnen dadurch zu erleichtern, dass man dem Kind eine eingefettete Fledermaus um den Hals hing.

„Den zenen entgegen“

Zurück zur Zene-Artzney, in der zunächst beschrieben wird, was den Zähnen schadet. Zu den Speisen, die „den zenen entgegen“ sind, zählen vor allem gedörrte Feigen, gesottener Honig, „saure öpffel“, Holzbirnen, Essig sowie grundsätzlich alles, was „schleimicht, ankleblicht und fett“ ist. Ebenso schadet es den Zähnen, wenn sie nach dem Essen nicht mit einem „feinen reinen wasser gespület“ werden, wenn man sich häufig erbricht oder man sich bald „nach großer füllung des magens schlaffen“ legt.

Aber auch wenn man diese Ratschläge befolgt und darüber hinaus bei der Ernährung alles meidet, was „bald müdericht, faul und stinckend wirdt“ – vor allem Milch, alte Teige und „garstigen“ Käse – ist man bei entsprechender Veranlagung vor den „Wehetagen“ der Zähne nicht gefeit. Der Verfasser unseres Büchleins vermutet, dass diese Art Zahnschmerzen „eine auß den erbkranckheiten seyen, die von vatter oder mutter einem angeboren werden“.
Da sich also die Ursachen nicht beheben lassen, muss man um so mehr für Linderung der Schmerzen sorgen. Zunächst reinigen Aderlass und Schröpfen den Körper von „den materien, darinnen sich der schmerz erhebt“, und bevor der Patient Arzneien zu sich nimmt, sollte er prüfen, ob der Zahnschmerz durch Hitze oder Kälte ausgelöst wird. In letzterem Fall empfiehlt es sich beispielsweise, in Wein gesottene Bertramswurzel längere Zeit im Mund zu behalten. Oder man reibt das Zahnfleisch mit einem Gemisch aus Bertramswurzel, Pfeffer, Ingwer und Läuse- bzw. Wolfskraut ein, was eine durchblutungsfördernde Wirkung hat. Sind die Schmerzen sehr schlimm, macht man aus den Samen von Zwiebeln, Bilsenkraut und Lauch mit „Pilsen safft“ ein kleines „Küchlein“, legt es auf glühende Kohlen, stülpt einen Trichter darüber und lässt den leicht betäubenden Rauch an die schmerzenden Zähne ziehen. Wenn die Zähne auf saure und scharfe Speisen mit Empfindlichkeit reagieren, so empfiehlt die Zene-Artzney auf die Zähne eine Paste aus geriebenen Mandeln, Hasel- und Walnüssen aufzutragen. Leidet man unter Parodontitis, unter „geschwer, stinckung und faulung“ des Zahnfleisches, sollte man zunächst das entzündete Zahnfleisch mit glühendem Kupfer, Eisen oder Gold ausbrennen lassen und dann ein Gemisch aus Butter und Rosenöl auftragen.

„Kranckheit Corosio“

Was aber tun, wenn die Zähne „gelöchert und hol“ sind? Vor allem Backenzähne waren von der „kranckheit Corosio“ bedroht, denn hängen gebliebene Essensreste erzeugen eine „böse scharpffe feuchtigkeit“, die die Zähne „aufrisset und etzet“, bis sie hinwegfaulen. Zunächst musste das Loch und die „außfressung“ mit einem „subtilen meissel, messer, feylin“ ausgeschabt und gereinigt werden. Dann wurde „das löchlein mit golt blettern“ gefüllt und wer sich kein Gold leisten konnte, bekam in der Regel eine Füllung aus Blei (woran das Wort „Plombieren“ erinnert) oder – weniger dauerhaft – aus den Harzen Galbanum oder Opopanax. Bereits 1528 beschrieb der Ulmer Stadtarzt Johann Stocker in seinem Arzneibüchlein „Praxis aurea“ die Herstellung von Amalgam, das in einem Zahnloch „härtet wie Stein“. Seine Erfindung geriet jedoch bis Ende des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit.

Wenn der Schmerz durch nichts gestillt werden kann, blieb und bleibt als letzte Zuflucht „die außbrechung der bösen zene“. Schon damals war klar, dass dies in die Hand eines erfahrenen Handwerkschirurgen gehört, denn leicht konnte ein Zahn abbrechen. Deshalb sollte ein löchriger Zahn zunächst mit „Pley, Zin, Silber oder Eisen“ ausgefüllt werden, bevor „man yhn mit der zangen angreifft“. Danach musste der Wundarzt genau prüfen, ob die Zahnwurzel vollständig entfernt und nicht „ein beinlein von dem kinpacken abgeschellet“ war.

Philipp Pfaff (1713 bis 1766)

Weil die Zähne auch „zur zyrung“ dienen, widmet sich die Zene-Artzney ausführlich der Frage, was gegen „gele und schwartze“ Zähne zu tun ist. Jeder, „wer weisse zene zu behalten gedenckt“, sollte Honig und anderen süßen Speisen meiden und nach ausgiebigem Genuss von (gährungsfreudigen) Getreidebreien nicht gleich schlafen gehen. Grundlage aller Pulver, „weiße zene zu machen“, war zerriebener Bimsstein, oft in Verbindung mit Salz.

Wer die Ratschläge im letzten Kapitel der Zene-Artzney beherzigte, wird es wohl kaum nötig gehabt haben, sich mit aggressiven Pülverchen die Zähne zu ruinieren. Da Zahnbürsten im 16. Jahrhundert noch unbekannt waren, sollte man morgens Zähne und Zahnfleisch mit einem „grob leinenn düchlein“ reinigen und – damit „das fleisch nicht schwindet“ – den Mund mit in Wein gekochter Myrrhe ausspülen. Auch nach jeder Mahlzeit war das Ausspülen angeraten, wobei man neben Wasser auch Bier oder Wein verwenden konnte.

Die Zene-Artzney beschreibt mittelalterliche Behandlungsmethoden und erschien insgesamt in fünfzehn Auflagen, die jedoch keine zusätzlichen Erkenntnisse und Entwicklungen brachten. Die letzte Auflage erschien 1756. Sie wurde überflüssig, da Philipp Pfaff, der Hofzahnarzt von Friedrich II. von Preußen, seine „Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“ veröffentlichte.

 


Seit 1728 ausgestorben: der Zahnwurm

Bereits in der Antike war er gefürchtet: Der böse Zahnwurm, den man für Zahnlöcher und Zahnschmerz verantwortlich machte. Endgültig aufgeräumt mit dieser Mär wurde erst nach fast 3600 Jahren!

Schon 1800 vor Christus wussten die Babylonier: Der Zahnwurm ist an allem schuld! Bei der Schöpfung bedrängte er den Gott Smas: Was gibst du mir zu essen, was gibst du mir zu schlürfen? Smas bot an: Ich gebe dir reife Feigen, Aprikosen- und Apfelsaft. Der Zahnwurm aber hatte andere Wünsche: Hebe mich lieber hoch! Laß mich zwischen den Zähnen und dem Zahnfleisch wohnen. Dort will ich vom Mark der Zähne leben. Bei solchem Aberglauben kann nicht verwundern, dass die Babylonier versuchten, den Zahnwurm mit Zaubersprüchen aus dem Zahn heraus zu bannen.

Ausgerechnet der Zahnwurm wurde über Jahrtausende zum treuen Begleiter der Zahnheilkunde. Das widerwärtige Fabeltier war im alten China ebenso bekannt wie bei den Azteken. Um ihn zu töten, träufelten gut unterrichtete Mediziner in Europa nach arabischem Vorbild ätzende Säuren auf schmerzende Zähne. Tatsächlich war diese Behandlung recht erfolgreich: Zwar starb kein Wurm, aber die Nerven überstanden das Bad im ätzenden Scheidewasser (Salpetersäure) nur selten.

Avicenna (980–1037) war trotz manch heute merkwürdiger Vorstellung für mittelalterliche Verhältnisse ungeheuer fortschrittlich.  Sein Kanon der Medizin prägte deshalb in prächtigen Handschriften kopiert bis ins 18. Jahrhundert das Fach.

Auch ein so hochgelehrter Mann, wie der islamische „Fürst der Ärzte“ Avicenna lieferte ein Rezept zur Ausräucherung des bösen Wurmes: Man nehme vom Bilsenkraut und vom Lauchsamen je vier Körner sowie zwei und eine halbe Zwiebel, knete dies mit Ziegenfett glatt. Davon mache man Pillen vom Gewicht eines Dirhams (3,12 g) und verbrenne eine in einem Trichter bei bedecktem Kopf.

Den Zahnwurm ausräuchern und mit klarem kalten Wasser ausspülen, das empfahl auch die Äbtissin Hildegard von Bingen (1099–1179) in ihrem berühmten Werk Physica, in dem die heilige Benediktinerin Heilkräfte von Pflanzen und Mineralien beschreibt.

Erst Pierre Fauchards Forschungen läuteten 1728 das Ende der Fabel vom Zahnwurm ein. Der Bretone sah die Ursache von Zahnerkrankungen eher in einem "Ungleichgewicht der Säfte" und betonte ausdrücklich, dass nicht die Würmer die Zähne nagen und kariös machen, dass sie daselbst nur deswegen zugegen sind, weil die Speisen oder ein übel beschaffener Speichel Eierlein von dem einen oder anderen Ungeziefer in den Beinfresser der Zähne [Karies] hineingebracht haben. Er habe solche Würmer nie gesehen, weder mit dem bloßen Auge noch mit dem Mikroskop.

Pierre Fauchard (1678-1761) veröffentlichte 1728 in Paris sein revolutionäres Werk Le Chirurgien dentiste: 863 Seiten, die – das ist völlig neu – ausschließlich der Zahnheilkunde gewidmet sind. Er beschreibt darin die Anatomie des Mundes, den Aufbau und Krankheiten der Zähne.

Philipp Pfaffs Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten war 1756 keine Rede mehr vom Zahnwurm. Pfaff gab statt dessen eine Anleitung zur regelmäßigen Zahnreinigung: Man bediene sich eines Läppchens oder Schwammes und tunke ihn in nicht zu kaltes Wasser ein. Mit diesem Schwamme kann der Zahn füglich gereinigt und alle Überbleibsel der Speisen und der Schleim, welcher sich des nachts an den Zahn und das Zahnfleisch anhänget, abgewischt werden. Muss man, um den Schleim abzukratzen, einen festen Körper haben, so bediene man sich eines Stückes Fischbein, welches auf einer Seite zugeschärft worden ist. Pfaff erkannte sogar, wie schädlich das Rauchen für die Zähne ist. Moderne wissenschaftliche Untersuchungen ergeben insbesondere für starke Raucher ein deutlich erhöhtes Karies- und Parodontitisrisiko.

In Deutschland knüpfte der Hofzahnarzt Friedrichs des Großen, Philipp Pfaff (1711-1766), mit dem ersten eigenständigen Lehrbuch der Zahnheilkunde in deutscher Sprache 1756 direkt an Fauchard an. Pfaff wurde von Friedrich dem Großen zum Hofzahnarzt ernannt.

Vor allem in der Volksmedizin hielt sich die Lehre vom Zahnwurm in Europa allerdings noch hartnäckig. Um 1830 behauptete sogar noch ein Schlesischer Kreisarzt im Berliner „Magazin für die gesamte Heilkunde“ unverdrossen, dass er zwei Patienten von zwanzig Zahnwürmern befreit habe. Ein Taschenspielertrick ermöglichte es tatsächlich, den Wurm vorzuführen: Der Behandler klebte gemahlene Samen des Bilsenkrauts in den erkrankten Zahn. Einige keimten und ringelten sich weiß aus dem Zahn. Triumphierend konnte der Quacksalber diese dann aus dem Mund holen.

Die Erkenntnisse von Fauchard, Pfaff und ihren Nachfolgern über die Ursachen von Karies gaben aber im 19. Jahrhundert einen wichtigen Anstoß dazu, die Zähne durch Zahnreinigung und gesunde Ernährung zu erhalten: Zwar war es noch ein weiter Weg bis zur genauen Identifikation der Bakterien, die für die Kariesentstehung verantwortlich sind, aber ein erster Schritt auf dem Weg zur modernen Mundhygiene und Individual-Prophylaxe.


Fürstliche Zähne – zum Fürchten!

Wer über die schöne, schlanke und sportliche Kaiserin Sissi (Elisabeth) spricht, denkt unwillkürlich an Romy Schneider, die Sissi im Film verkörperte. Die berühmte Schauspielerin hatte der noch berühmteren Kaiserin allerdings eines voraus, wunderschöne ebenmäßige Zähne und damit ein entsprechend strahlendes Lachen.

Die Mutter der Kaiserin, Ludovika, hatte „ihrer lieben Tochter“ Sissi zwar eine sorgfältigere Zahnpflege nahe gelegt, aber wohl zu spät. Das Malheur war schon passiert und konnte beim damaligen Stand der Zahnheilkunde auch nicht mehr behoben werden. Die historische Sissi musste deshalb lernen, mit geschlossenen Lippen zu lächeln. Ihre Eltern, ja ihre ganze Familie, litten anscheinend unter ähnlichen Problemen.

In Sissis Lebensgeschichte steht: „Das Lächeln der Wittelsbacher ist nicht ohne Tadel, ihre Zähne sind gelb. Elisabeth hat allen Grund zu lächeln, allerdings mit geschlossenen Lippen, damit man nicht sieht, dass sie das Markenzeichen der Wittelsbacher beibehält.“ Auf den zahlreichen Portraits und Photos presst die Kaiserin tatsächlich ihre Lippen immer fest zusammen.

Eigentlich kam Sissi mit ihren gelben Zähnen im Vergleich zu anderen berühmten historischen Persönlichkeiten noch ganz gut weg. Bekannte Fürstinnen und Fürsten sahen noch weit schlimmer aus oder mussten gar wegen ihrer Zahnprobleme recht unangenehme Therapien über sich ergehen lassen.

Elisabeth von England

Über das Aussehen der englischen Königin Elisabeth I. berichtete zum Beispiel 1598 (fünf Jahre vor ihrem Tod) ein deutscher Reisender: „Die Königin steht in ihrem 65. Lebensjahr und wirkt sehr würdevoll. Ihr Gesicht ist länglich, ihre Haut hell aber runzlig. Sie hat eine leichte Hakennase, ihre Lippen sind schmal und ihre Zähne schwarz: Ein Mangel, an dem die Engländer deshalb zu kranken scheinen, weil sie allzuviel Zucker verwenden.“ – Die englischen Süßigkeiten und Süßspeisen sind also nicht erst heute wegen ihrer Süße berüchtigt.

Ludwig XIV.

Noch weniger Glück mit seinen Zähnen hatte der mächtige Sonnenkönig Ludwig XIV., der knapp hundert Jahre später als Elisabeth regierte. Der ansonsten glanzvolle Herrscher Frankreichs hatte sich bereits im Alter von 38 Jahren seine Zähne völlig ruiniert. Mit vierzig litt er dann an einem dauernd vereiterten Kiefer, einige Jahre später hatte sich ein eitriger Kanal im Oberkiefer gebildet. Seine Probleme waren nicht zu übersehen: „Die schlechte Verfassung des linken Oberkiefers macht ihm Beschwerden. Sämtliche Zähne wurden ihm auf dieser Seite gezogen. Es ist ein Loch im Kiefer übriggeblieben, durch das ihm bei jedem Trinken und Gurgeln das Wasser aus der Nase wie aus einer Fontäne herausläuft.“ Nicht verbergen ließ sich auch sein übler Mundgeruch, der bei einem solchen Zustand des Gebisses unvermeidlich war. Der König unterzog sich einer Behandlung, die beinahe ein Jahr dauerte. Dabei kam mehrfach ein spezielles glühendes Eisen zum Einsatz, um die offene Stelle auszubrennen, damit sie sich wieder schließen konnte.

Fürsten und Adel konnten sich – im Unterschied zur übrigen Bevölkerung auch früher schon eine fast unbegrenzte Menge extrem teurer Süßigkeiten und Delikatessen leisten. Wenn man reich und mächtig war, musste man das auch nach außen zeigen, auch indem man stets Zuckerzeug vorrätig hatte und es allen Gästen reichlich anbot. Das tat den Zähnen der Oberschicht gar nicht gut!

Friedrich der Große

Deshalb kann es nicht verwundern, dass früher gerade Kaiser und Könige die Entwicklung der Zahnmedizin nachdrücklich förderten. Der deutsche Pionier der Zahnheilkunde, Philipp Pfaff, war zum Beispiel Hofzahnarzt des preußischen Königs Friedrich des Großen.

Pfaff und andere legten im 18. Jahrhundert den Grundstein dafür, dass heute jeder, der die notwendige Zeit und Mühe für die Zahnpflege aufbringt, bis ins Alter gute schmerzfreie Zähne und einen festen Biss behalten kann.


Geschichte der Zahnpasta

Apotheker aus Dresden erfand vor über hundert Jahren die Zahnpasta

Schon im alten Ägypten, im antiken Griechenland und Rom und auch im Mittelalter betrieb man Zahnpflege und kannte verschiedene Mixturen zur Reinigung und Gesunderhaltung der Zähne. Die Zahnpasta in ihrer modernen Form ist jedoch eine Erfindung des frühen 20. Jahrhunderts.

Bereits in den alten Hochkulturen spielte die Zahnhygiene eine wichtige Rolle. So stellten die alten Ägypter eine Zahnpflege-Mixtur aus Weinessig und gemahlenem Bimsstein her. Eher gewöhnungsbedürftig erscheinen aus heutiger Sicht die Zahnpflege-Gewohnheiten der Römer, die sich die Zähne mit menschlichem Urin putzten. Angenehmer und nach heutigen zahnmedizinischen Gesichtspunkten durchdachter mutet da das Pulver aus gemahlenen Kamilleblüten und Gewürznelken an, das man im Mittelalter mithilfe von kleinen Zweigen auf die Zähne auftrug, um sie gesund zu erhalten und Entzündungen vorzubeugen.

Die Erfindung von "Chlorodont"

Die Zahnpasta in ihrer heutigen Form jedoch ist eine Erfindung aus Sachsen. Im Mai 1907 stellte der Dresdner Apotheker Ottomar Heinsius von Mayenburg in einem kleinen Labor in seiner Löwen-Apotheke am Dresdner Altmarkt eine Paste aus Bimssteinpulver, Calziumkarbonat, Seife, Glyzerin sowie Kaliumchlorat her, die er darüber hinaus mit Pfefferminzgeschmack versah. Die moderne Zahnpasta war geboren.

Von Mayenburg benannte seine Erfindung nach den altgriechischen Begriffen "chloros", was "hellgrün", im übertragenen Sinne "frisch" bedeutet, und "odon", also "Zahn". "Chlorodont" war damit der Name der ersten Zahnpasta-Marke der Welt, die der Apotheker bereits in wiederverschließbare Metalltuben abfüllte. Der Erfinder der modernen Zahnpasta gründete 1917 die Leo-Werke in Dresden-Neustadt, die neben der Zahnpasta-Herstellung bald auch eine Tubenfabrikation und die Herstellung von Verschlüssen und Verpackungsschachteln umfassten.

Auch was die Vermarktung von "Chlorodont" betrifft, erscheint der für damalige Verhältnisse außerordentliche Einsatz von Werbung sehr modern und ganz im Sinne heutigen Marketing-Denkens. Dank der Werbefeldzüge für "Chlorodont" war die blaue Tube mit der strahlend weißen Schrift und der grünkarierten Kante bald überaus bekannt und konnte sich als erste Zahnpasta-Marke der Welt etablieren. Die Marke erwies sich auch als besonders langlebig - erst in den 1980er Jahren wurde der Verkauf von "Chlorodont" eingestellt.

Zahnpflege an den Höfen

Mehr zur
Mundgesundheit der Majestäten
erfahren Sie in Heft 9 (1.5.2009) der
Zahnärztlichen Mitteilungen (zm)
http://www.zm-online.de/m5.htm
(Rubrik Historisches)