Überempfindliche Zähne
Schmerz, lass nach!

- Foto: ProDente
Pünktlich zu Beginn der Obst- und Eissaison werden Millionen Menschen daran erinnert: Heißes und Kaltes, Süßes und Saures sind für viele ein Gräuel! Die Zähne schmerzen, obwohl der Zahnarzt keine Karies entdeckt hat. Der Schmerz geht wieder zurück, sobald der Reiz vorbei ist. Trotzdem mindert er die Lebensqualität, zumal er sehr heftig sein kann und immer wieder auftritt. Die Empfindlichkeit nimmt zu, und die Gründe dafür sind vielfältig.
Freiliegende Zahnhälse sind der häufigste Anlass. Normalerweise liegt nur der mit dem harten Zahnschmelz bedeckte Teil des Zahnes frei in der Mundhöhle. Zahnhälse sind deutlich empfindlicher. Von Natur aus sind sie mit Knochen umgeben und benötigen deshalb keinen zusätzlichen Schutz. Der Knochen kann aber zurückgehen, zum Beispiel wegen falscher Pflege.
Saures vermeiden
Zahnwurzeln mögen keine Säuren. Sie greifen die Zähne zusätzlich an. Solche Säuren können durch die Ernährung zugefügt werden, beispielsweise durch vermehrten Genuss von Obst, Obstsäften oder Rotwein. Auch der Trend, zur Diätunterstützung Apfelessig zu sich zu nehmen, erhöht den Säurewert an der Wurzel. Patienten mit Sodbrennen sowie Ess- und Brechsüchtige leiden deswegen auch vermehrt unter schmerzempfindlichen Zähnen.
Einige Patienten können diese Säure von Natur aus gut kompensieren. Sie haben im Speichel eine besonders starke Schutzkraft, um Säuren zu neutralisieren. Chemisch nennt man dies "Pufferkapazität". Wichtig ist es, direkt nach einer Säureattacke auf die Zahnpflege zu verzichten. Deshalb kann es bei wenigen Patienten sinnvoll sein, nicht nach dem Essen, sondern vorher die Zähne zu putzen.
Selbstverständlich kann auch eine akute Karies zum Schmerz führen, deshalb bleibt der Gang zum Zahnarzt nicht erspart. Auch neue große Füllungen und Kronen reizen den Zahnnerv, jedoch lässt dieser Schmerz nach einiger Zeit meist wieder nach. Des Weiteren führen auch Fehlbelastungen zu einem solchen Beschwerdebild.
Putzen - nicht schrubben!
Durch zu hohen Putzdruck kann der zahnumgebende Knochen zurückgerieben und sogar ein keilförmiger Defekt in die Wurzel eingesägt werden. Faustregel: Die Kraft der Zahnbürste auf die Zähne soll nicht höher sein als die, mit der auf einer Küchenwaage 150 Gramm angezeigt werden.
Außerdem sollten Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen mit einer anderen als der üblicherweise empfohlenen Technik putzen. Auch durch die von Bakterien ausgelöste Parodontitis geht der Knochen zurück.
Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten
In der Behandlung ist als erstes das Ausschalten der Ursachen zu erwägen. Zahnpasten mit weniger Abrasivmitteln sind sinnvoll. Fluoride zur Härtung der Wurzeln, als Spüllösung oder als Lack, der beim Zahnarzt aufgetragen wird, werden seit Jahren verwendet. In den letzten Monaten haben sich neue Medikamente, sogenannte Desensitizer, bewährt, die der Zahnarzt auf die empfindliche Zahnwurzel aufträgt. Sie scheinen neue Hoffnung für Patienten mit schmerzempfindlichen Zähnen geben.
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