Vorsicht bei Schnullern

Nicht jeder Schnuller ist ein guter Schnuller

Foto: Pixelio

Ein Schnuller darf die Lage von Kiefer und Zunge nicht verändern.

Als vor über 60 Jahren, im Jahr 1949, zwei deutsche Zahnärzte den Prototyp des modernen Schnullers als „Kiefergerechten Beruhigungssauger und Kieferformer“ erfanden, diente er zwar wie seine historischen Vorgänger zur Beruhigung, hatte aber erstmals außerdem eine mundgesundheitliche Aufgabe, nämlich den Schutz der Kiefer vor Fehlbildungen.

Bis heute hat sich dieser moderne Schnuller ständig weiterentwickelt. Während in den Anfangsjahren die Gummiblase recht groß war, ist diese beim modernen Schnuller weitaus kleiner. Das folgt dem zahnmedizinischen Wissen, dass alles, was über längere Zeit zwischen den Zähnen gehalten wird, so klein und passgenau wie möglich sein sollte. Nur wenn der Schnuller die Lage der Kiefer und auch der Zunge nicht verändert, kann sich alles ordnungsgemäß entwickeln und den Milchzähnen den richtigen Standort bieten. Drückt ein übergroßer Schnuller dagegen über längere Zeit den Oberkiefer nach vorn, entwickelt sich meist ein sogenannter Lutschbiss: Die oberen Zähne stehen vor und berühren die Unterkieferzähne nicht mehr – manchmal entsteht sogar ein regelrechtes Loch zwischen Ober- und Unterkiefer.

Gerade weil die Auswahl an Schnullern heute sehr groß, aber nicht jeder Schnuller ein guter Schnuller ist, raten Experten dazu, dass sich die Eltern nicht durch lustige Farben oder Spielereien verführen lassen sollten. Wichtiger sei, die Auswahl nach den gleichen Kriterien zu treffen, die auch die Erfinder vor 60 Jahren zu ihrer Entwicklung angetrieben hat: Der Schnuller sollte kiefergerecht sein und den Kiefer natürlich formen. Eltern, die unsicher sind, wie ein guter Schnuller aussieht, können sich dies von jedem Kieferorthopäden zeigen lassen.

Besser Schnuller als Daumen

Kindernuckeln ist etwas ganz Natürliches. Der Saugreflex ist angeboren und hat auch seinen Sinn, denn sonst könnte das Kind nicht an die Muttermilch gelangen. Außerdem formt das Saugen den Kiefer und ist in einer frühen Phase daher wichtig. Darüber hinaus ist das Nuckeln und Lutschen für Kinder etwas, was sie beruhigt und zufrieden stellt. Haben Kinder im Säuglingsalter über das Gestilltwerden hinaus ein Nuckel- und Lutschbedürfnis, dann ist ein Schnuller auf jeden Fall besser geeignet als der Daumen. Wenn Kinder also anfangen, am Daumen zu lutschen, sollten Eltern ihnen lieber einen richtig geformten Schnuller anbieten. Denn noch schwerwiegender als Kieferfehlbildungen durch schlechte Schnuller sind Kieferveränderungen, die vom dicken Daumen als Nuckelalternative kommen: In diesem Fall wird der Oberkiefer nach vorn gedrückt und gleichzeitig auch noch der Unterkiefer nach hinten. Eine spätere kieferorthopädische Korrektur ist meist unvermeidlich.

„Schnuller-Schluss“

Es ist wichtig, den Saugreflex nicht über die von der Natur vorgesehene Zeit hinaus künstlich zu verlängern. Wenn die ersten Zähnchen kommen, löst der Kaureflex den Saugreflex ab. Dann mögen Kinder gerne Dinge, auf denen sie herumkauen können – zum Beispiel einen Beißring. Deshalb sollte dann, wenn die Zähnchen herauskommen und die Umstellung auf festere Nahrung erfolgt, der Schnuller eigentlich langsam abgewöhnt werden und ein „Schnuller-Schluss“ ungefähr um den 1. Geburtstag herum erfolgen. Denn auch gut geformte Schnuller stören die natürliche Gebissentwicklung. Das kann man leicht nachvollziehen, wenn man sich den Schnuller einmal genauer ansieht: Er hat ein Luftpolster. Die Zähne, die durchbrechen wollen, drücken den Schnuller ein bisschen zusammen – der „Luftballon“ aber verschafft sich Platz und drückt die Zähnchen dabei wieder zurück. So kann, wenn der Schnuller zu oft und zu lange im Mund ist, ein Überbiss entstehen, weil die Zähne versuchen, am Schnuller vorbei herauszukommen. Auch der Kieferbereich, in dem die Zähne sitzen, der sogenannte Kieferkamm, wird dabei verändert und in eine falsche Position gedrückt.

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