Fluoride: sinnvoll bis ins Alter
Karies ist keine Fluoridmangelerkrankung. Jedoch benötigen unserer Zähne wegen der heute üblichen Ernährungsgewohnheiten einen intensiven Schutz. Fluoride machen die Zähne härter und widerstandsfähiger. Zuviel des Guten schadet aber. Deshalb liegt die Kunst in der Dosierung.
Fluoride sind lebenswichtige und in der Natur vorkommende Spurenelemente, ohne die der menschliche Körper nicht existieren könnte. Außer in diversen Nahrungsmitteln sind sie in unserem Trinkwasser enthalten, jedoch in sehr unterschiedlicher Konzentration.
Zur Kariesvermeidung wäre ein Wert von einem Millionstel (ppm) sinnvoll, wie er zum Beispiel in einigen Regionen der Eifel vorkommt. 90 Prozent des deutschen Trinkwassers enthält jedoch nur ein Viertel des gewünschten Wertes. Deswegen ist die künstliche Zuführung sinnvoll. Tabletten, spezielle Speisesalze, Zahncremes, Gelees und Mundspülungen werden angeboten.
Richtig dosieren
Akute Vergiftungserscheinungen wegen Überdosierung sind nahezu ausgeschlossen. Dazu müsste beispielsweise ein 15 kg schweres Kind etwa 300 Fluoridtabletten (250 mg) auf einmal zu sich nehmen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre schränken die Fluoridanwendung mit Tabletten jedoch erheblich ein. Hintergrund ist das Wissen um die Wirkungsweise. Fluorid, das schon während der Reifephase vor Eintritt in die Mundhöhle in den Zahn eingebaut wird, bringt keinen Vorteil: Der Zahn wird zwar härter, aber nicht weniger kariesanfällig. Dagegen steigt das Risiko für unreparable weiße Schmelzflecken, die oft ein Leben lang ein ästhetisches Problem darstellen. Die aktuellen Fluoridempfehlungen heißen deshalb:
- Milchzähne sollten vom ersten Zahn an mit fluoridhaltiger Zahnpasta gepflegt werden. Die Konzentration des Fluorids sollte ca. 500 ppm betragen. Dies ist doppelt so viel, wie noch vor zehn Jahren empfohlen wurde. Die Zahnpastahersteller haben inzwischen fast alle reagiert und die Konzentration entsprechend umgestellt.
- Vom ersten bleibenden Zahn an, also etwa mit sechs Jahren, soll das Kind auf eine Erwachsenen- oder Juniorzahncreme umsteigen. Der empfohlene Fluoridanteil wird mit 1000 bis 1500 ppm angegeben.
- Für die ganze Familie empfiehlt sich die Verwendung von fluoridiertem Jodsalz.
- Fluoridtabletten werden nicht empfohlen, so lange sich noch keine Zähne im Mund befinden. Nur dann, wenn in der Familie kein fluoridiertes Jodsalz verwendet wird und das Kind keine fluoridierte Zahnpasta benutzt, sollten ab dem sechsten Lebensmonat Fluoridtabletten verordnet werden. Diese sollten jedoch nicht geschluckt, sondern gelutscht werden. Sie dürfen in Wasser aufgelöst werden, nicht aber in Milchprodukten. Bei einer Verordnung von Fluoridtabletten sollte immer individuell Nutzen und Risiko gegenüber gestellt werden. Dabei hat eine zahnärztliche Fluoridanamnese zu erfolgen. Angaben zu Stillzeit und der Art der Babyfläschchen helfen dabei. Denn vielfach wurden die Fläschchen mit hochfluoridiertem Tafelwasser zubereitet Zu berücksichtigen ist auch, dass Sojanahrung, hypoallergene Nahrungsmittel, bilanzierte Diäten, Mineralwässer zur Herstellung von Säuglingsnahrung und auch andere fluoridhaltige Nahrungsmittel (z. B. Fisch) zur täglichen Fluoridaufnahme beitragen. Generell sind Zahnpasta- und Salzfluoridierung der Tablettenfluoridierung vorzuziehen.
Wegen dieser Fluoridanamnese empfiehlt es sich, dass schon das sechs Monate alte Kind erstmalig einen Zahnarzt aufsucht.
Bis ins hohe Lebensalter
Fluoride sind bis ins hohe Lebensalter wichtig. Denn gerade bei verlängerten Zähnen beispielsweise nach einer Parodontitis liegen die weichen Zahnwurzeln frei, welche den Kariesbakterien nur einen unzureichenden Widerstand bieten und zusätzlich oft heiß- und kaltempfindlich werden.
So können die Zähne ein Leben lang mit fluoridiertem Speisesalz gehärtet werden. Außerdem sollte die Zahnpasta ein wirkungsvolles Fluorid enthalten. Zusätzlich kann man mit Gelen und Spüllösungen weitere positive Effekte erzielen. Dies sollte aber immer mit dem behandelnden Zahnarzt abgesprochen sein. Und neben den Maßnahmen, die man zu Hause durchführen kann, bietet der Zahnarzt eine besonders wirksame Hilfe an: die professionelle Zahnreinigung. Nach Anfärbung und Entfernung aller erreichbaren Bakterien werden die gefährdeten Zahnflächen durch eine Intensivfluoridierung gehärtet. Dadurch erhalten die Zähne einen ausreichenden, für mehrere Monate anhaltenden Langzeitschutz.
Fluoride – Fragen & Antworten
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